Ritterorden

Tempelritter - Templer

Um 1120 erfolgte ein Bündnis von neun französischen Kreuzrittern, dem Hugo von Payns vorstand. Es setzt sich zum Ziel, das Königreich Jerusalem zu verteidigen und die Pilger zu schützen.

Die Kreuzritter wollten ihr Leben wie Mönche gestalten, jedoch in den Kampf wie Ritter ziehen. Der Bund der Kreuzritter bekam von König Balduin II von Jerusalem eine Wohnburg auf dem Tempelberg. Die Ordensgemeinschaft nannte sich fortan "Arme Ritter Christi vom salomonischen Tempel". Im Volksmund wurden sie "Templer" oder Tempelritter" genannt.

Die Templer lebten nach den drei großen Prinzipien des abendländischen Mönchstums: Armut, Gehorsam und Keuschheit. Dennoch unterschied sich ihr Orden von den klassischen Mönchsorden. An der Spitze des Ordens stand ein ungeweihter Adliger, der Großmeister, also kein Geistlicher. Die Regel des Fastens galt nur bedingt, da die Kampfkraft der Ordensmitglieder erhalten werden musste. Eine Aufnahme in den Orden der Tempelritter konnte nur erreichen, wer im wehrfähigen Alter und kampferprobt war. Außerdem war eine adliger Abstammung notwendig - wenn man Ritterbruder werden wollte. Wollte man hingegen nur Priesterbruder werden, also lediglich Verwaltungsaufgaben wahrnehmen oder als Feldkaplan arbeiten, dann konnte hierauf verzichtet werden. Schließlich gab es noch "Dienende Brüder", nichtadlige Mönche, die Handwerksaufgaben wahrnahmen oder Sergeanten waren. Die militärischen Aufgaben im Königreich Jerusalem wurden jedoch immer größer und die Ritterbrüder konnten sie nicht mehr allein bewältigen. Darum wurde Söldner angeworben. Bekannt waren etwa die Turkopolen, eine leichte Reiterei aus orientalischen Christen.

Die Johanniter

Das Hospital der Johanniter befand sich in der Nähe der Grabeskirche von Jerusalem. Es versorgte bis zu 2000 Kranke. Die Aufgabe des Ordens war der Dienst am Nächsten, die Pflege der Pilger. Militärische Aufgaben sah die Ordensregel nicht vor. Nach 1130 entstand jedoch ein militärischer Zweig des Johanniter-Ordens. Im Jahr 1136 wurde denn Johannitern erste Pflichten zur Verteidigung des Königreichs Jerusalem auferlegt. 1142 bekamen die Johanniter die Burg Krak des Chevaliers zu Eigentum übertragen. Sie wurde von ihnen zu einer der mächtigsten Festungen Jerusalems ausgebaut. 1169 gehörten dem Orden 500 Ritter an.
Die beiden nun bestehenden Ritterorden achteten sich gegenseitig. Bald kam ein dritter hinzu.

Der Deutsche Orden

Im Jahr 1190 wurde der Deutsche Orden von Lübecker Kaufleuten während der Belagerung von Akkon gegründet. Zunächst war er wie der Orden der Johanniter, ein Hospizorden, der sich um Kranke sorgte. Er wandelte sich jedoch nach 1197 zu einem Militärorden, als deutsche Kreuzritter mit Kaiser Heinrich VI ins Heilige Land kamen. Der Deutsche Orden nahm aber, im Gegensatz zum Templerorden oder zu den Johannitern, nur Ritter aus dem deutschen Sprachraum auf. Er spielte letztendlich auch nicht eine so große Rolle wie die Templer oder die Johanniter.

Kampf um das Königreich Jerusalem

Die Ritterorden waren diszipliniert und straff organisiert. Sie stellten die Elite unter den Rittern des Königreichs Jerusalem. Sie gaben lieber ihr Leben, als dass sie sich gefangen nehmen ließen.
Am 4. Juli 1187 wurden die Truppen des Königreichs Jerusalem von den Kämpfern Sultan Saladins vernichtend geschlagen. Die Schlacht fand in der Nähe des Sees Genezareth bei den Hörnern (Hügeln) von Hattin statt. Tausende von Christen gerieten in Gefangenschaft, wurden versklavt oder gegen hohes Lösegeld wieder freigelassen. Doch die Templer und Johanniter wurden sofort geköpft, denn von den Ritterorden drohte besondere Gefahr für den Islam. Jerusalem fiel, die Christen standen auf schwachem Posten im Heiligen Land. Die verbleibenden christlichen Besitztümer wurden durch den Kreuzzug von König Richard Löwenherz gerettet. Den Ritterorden oblag nun die Verteidigung dieser letzten Werte. Glücklicherweise konnten sie sich auf ihre mächtigen Burgen stützen, etwa dem Krak des Chevaliers, das Pilgerschloss von Alit und die Tempelburg von Safad. Nehmen wir Safad. Dort war regelmäßig eine Garnison von 60 Rittern, 30 Sergeanten, 50 Turkopolen und 400 Bogenschützen stationiert. So eine Burg und Besatzung wollte unterhalten werden, und das war nur durch einen hohen Kostenaufwand möglich. Die Einnahmen der Ritterorden im Heiligen Land konnten dies allein nicht abdecken. Doch die Ritterorden besaßen sehr viel Land in Europa, was sie durch Schenkungen erhielten, da viele Stifter einen Beitrag für das Heilige Land leisten wollten. Zudem verstanden sich die Templer gut auf Geldgeschäfte und stiegen in das Bankwesen ein.
Doch die Kreuzfahrerländer konnten sich trotz ihrer Ritterorden nicht im Heiligen Land behaupten. Es war der Herrscher Ägyptens aufgestiegene Mameluke Baibars, der, nach seinen Siegen über die Mongolen, die Burgen der Ritterorden dem Erdboden gleich machte. Im Jahr 1266 versuchte er mit drei Sturmangriffen, Safad einzunehmen. Es misslang. Daraufhin versprach er den Templern freien Abzug, wenn sie ihm die Burg übergeben würden. Doch er war wortbrüchig und ließ alle Tempelritter töten. Im Jahr 1271 gelang es Baibar dann, Krak des Chevaliers mittels Katapulten zu stürmen. 1291 kam es dann zur Schlacht von Akkon. Es war die letzte große Schlacht der Ritterorden im Heiligen Land. Al-Ashraf Khalil war Baibar in der ägyptischen Herrschaft nachgefolgt und nahm mit einem Riesenheer die Hafenstadt mit ihren Burgen ein. Hier kämpften 17.000 Tempelritter, Johanniter und Ritter des Deutschen Ordens gegen eine Streitmacht, die knapp 200.000 Soldaten umfasste. Es war der Großmeister der Templer, Wilhelm von Beaujeu, der an der Spitze der Verteidiger stand. Er wurde getötet, als er einen Ausfall wagte. Am 17. Mai 1291 gelang es den ägyptischen Truppen, einen Keil in die Stadt zu schlagen und sie einzunehmen. Die Templerburg von Akkon leistete zwar noch länger Widerstand, konnte aber auf Dauer nicht gehalten werden. Mit der Schlacht von Akkon war der gemeinsame Kampf der drei großen Ritterorden beendet.

Das Ende der Tempelritter

Der Templerorden fand keine neue Aufgabe und wurde im Jahr 1312 durch den Papst aufgelöst. Der Auflösung war der sog. Templer-Prozess vorausgegangen. Es war König Philipp IV von Franreich, Philipp der Schöne, der den Kampf gegen die Templer führte. Historisch lässt sich nicht mehr genau klären, welche Beweggründe ihn dazu führten. Vielleicht war es Rache, weil ihm im Jahr 1306 die Mitgliedschaft im Orden verwehrt wurde, vielleicht wollte er auch die ihm gefährlich werdende militärische Stärke des Ordens beseitigen und gleichzeitig sich seine Reichtümer einverleiben. Es könnte ihm aber auch auf die Schwächung des Papsttums angekommen sein, denn nur der kirchlichen Macht des Papstes unterstanden die Templer und nicht seiner eigenen weltlichen Macht. Streng geheim bereitete König Philipp IV seinen Schlag gegen den Templerorden vor. In den frühen Morgenstunden des 13. Oktober 1307 führten die Statthalter, die Seneschalle des Königs, die Verhaftungen in ganz Frankreich durch. Es wurden über 500 Templer festgenommen. Für sie kam der Schlag überraschend, zum Teil jedenfalls. Allerdings hatte der Großmeister der Templer, Jacques de Molay, einige Tage zuvor die bedeutendsten Dokumente des Ordens vernichtet. Den Templern wurde die Verleugnung Christi, Missachtung der Sakramente, heimliche Versammlungen mit der Verehrung magischer Häupter, Absolution durch Laien, anstoßenden sexuelle Praktiken und vieles mehr vorgeworfen. Die Ermittlungen und Verhöre wurden von Beamten des Königs geleitet. An sich zuständig waren allerdings die Geistlichen der Heiligen Inquisition. Doch ehe diese erschienen, hatte man schon Geständnisse mittels der Folter vorliegen. Auch der Großmeister der Templer gestand unter dem Eindruck der Folter, widerrief sein Geständnis jedoch später. Wer gestand, konnte mit Begnadigung rechnen, wer nicht gestand, mit dem Tod.
Papst Clemens V wagte er spät zu protestieren. Doch da er vom französischen König abhängig war, machte er sich bald dessen Ansichten zu eigen. Aufgrund der Geständnisse ordnete er an, die Mitglieder des Templerordens in ganz Europa zu verhaften. So setzte eine Prozesswelle, am stärksten in den Ländern Südeuropas ein. Erst ein Jahr nach dem Beginn der Verhaftungen wurde die Zuständigkeit für die Untersuchungen gegen die Templer der Kirche zugewiesen. Der Papst befand im Mai 1311 die Untersuchungen für abgeschlossen. Im November 1311 fand daraufhin in Vienne ein Konzil statt. Dort sollte eine Entscheidung über die Zukunft des Ordens gefällt werden. Doch noch bevor dieser abgeschlossen wurde, erreichte König Philipp IV, dass der Papst die Auflösung des Templer-Ordens anordnete. Die Johanniter erhielten sämtlichen Besitz des Templerordens außerhalb der iberischen Halbinsel. Der Besitz dort wurde auf andere Orden verteilt. Der letzte Großmeister der Templer, Jacques de Molay und der Präzeptor der Normandie wurden am 18. März 1314 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Zuvor hatten sie ihre durch die Folter abgepressten Geständnisse widerrufen. Auf dem Scheiterhaufen verfluchten beide den König und den Papst; sie würde noch im selben Jahr sterben.

Der Geheimbund der Templer

Entstand nun ein Geheimbund der Templer? Die ersten Verschwörungstheorien entstanden unmittelbar nach dem Ende des Templerordens in ganz Europa. Es begann bereits damit, dass Philipp IV und Papst Clemens V tatsächlich beide im Jahr 1314 starben, wie von Jacques de Molay vorausgesagt. Eine Theorie besagt, der Templerorden habe in Schottland im Untergrund überlebt und es gäbe ihn noch heute. Eine andere Theorie besagt, die im 17. Jahrhundert gegründeten Freimaurerlogen seien die Nachfolgeorganisationen der Templer. Es wird auch diskutiert, ob die Templer ein geheimes Wissen um Jesus Christus besaßen und noch heute besitzen. Davon ist jedoch historisch nichts gesichert.

Die Malteser

Die Johanniter wandten sich dem byzantinischen Rgodos zu. Zwischen 1306 und 1309 nahmen sie mit Zustimmung des Papstes die griechische Insel ein. Sie gründeten dort einen souveränen Ordensstaat, unabhängig von jeglicher weltlichen Hoheit. Im Jahr 1312 erhielten die Johanniter die Besitztümer des Templerordens vom Papst zugesprochen. Die Johanniter konnten so eine Galeerenflotte finanzieren und sich zu einer Macht im Mittelmeer etablieren. Sie sahen es als ihre Aufgabe, die Pilgerschiffe zu schützen. Aber sie überfielen auch islamische Handelsschiffe oder islamische Küstenstätte. Da der Islam in sich zerstritten war, hatten sie es über Jahrhunderte nicht mit einem mächtigen Gegner zu tun. Im 16. Jahrhundert jedoch wurde Sultan Süleyman Herrscher des osmanischen Weltreichs. Er entsandte im Juni 1522 eine Invasionsarmee von ca. 150.000 Soldaten nach Rhodos. Dort hatten die Johanniter nicht genug Mann, um ihre Befestigungsanlagen wirkungsvoll zu nutzen. Die Johanniter konnten Rhodos dennoch über 6 Monate gegen die türkische Artillerie verteidigen. Am 17. Dezember gelang es den Osmanen, einen strategischen Punkt zu zerstören. Die Johanniter gaben auf und ihnen wurde dafür freier Abzug gewährt.
Die Johanniter waren jahrelang bemüht, eine neue Heimat zu finden. Erst 1531 erhielten sie von Kaiser Karl V die Insel Malta übertragen. Fortan wurde der Orden auch Malteser genannt und machte sich daran, wieder eine mächtige Flotte zu bauen. Dazu war Geld notwendig, und das holte man sich erneut durch Überfälle auf islamische Schiffe. Klar, dass das osmanische Reich wieder eine Invasionsflotte schickte. Doch diesmal waren die Befestigungsanlagen stärker, sie hielten dem Artilleriebeschuss stand. Im Jahr 1571 kam es zur Seeschlacht von Lepanto, an der sich die Malteser beteiligten und bei der die osmanische Seemacht vernichtend geschlagen wurde.
Das Ende des Ritterordens als kämpfender Orden kam 1798. Der Großmeister Ferdinand von Hompesch kapitulierte kampflos vor der Flotte Napoleons.