Benediktiner

Der Benediktiner Orden

Der Orden der Benediktiner richtet sich mit seinem Kloster nach der Regula Benedicti aus. Die Regula Benedicti, die Benediktiner-Regel, ist die berühmteste aller Klosterregeln. Sie geht zurück auf Benedikt von Nursia, der als der Vater des abendländischen Mönchtums gilt. Die Benediktinerklöster prägten über viele Jahrhunderte die Kultur des Abendlandes.

Benedikt entwickelt zu Beginn des 6. Jahrhunderts. die Klosterregel für die Mönche seines Klosters Monte Cassino. Zu jener Zeit waren die Benediktiner jedoch noch kein Orden, jedenfalls im kirchenrechtlichen Sinn. Der Orden der Benediktiner wurde erst im Jahr 1893 durch Papst Leo XIII geschaffen. Es entstand der Ordo Sancti Benedicti, OSB, die Konföderation der Benediktiner. Oberster Repräsentant der Benediktiner ist der Abtprimas. Er vertritt den Orden nach außen. Dazu gehört auch die Vertretung vor dem Heiligen Stuhl. Der Abtprimas ist in Personalunion Abt des Klosters San Anselmo in Rom und auch Großkanzler des Internationalen Benediktinerkollegs auf dem Aventin. Seit dem Jahr 2000 ist Notker Wolf, ein Deutscher, Abtprimas.

Benedikt von Nursia

Es war Papst Gregor er Große, der das Leben des Benedikt von Nursia niederschrieb, und zwar in den Jahren 593 und 594 in seinen „Dialogen“. Benedict von Nursia wurde um 480 in Nursia (Noricia) im italienischen Umbrien geboren. Er studierte in Rom, vollendete das Studium jedoch nicht, sondern wählte ein asketisches Leben in der Einsamkeit. Dieses Eremitendasein gab er jedoch auch auf und gründete mit Gleichgesinnten ein Kloster auf dem Hügel Monte Cassino. Monte Cassino liegt zwischen Rom und Neapel.
Benedikt starb um 547. Etwa zwanzig Jahre nach seinem Tod zerstörten die Langobarden das Kloster Montecassino. Die Mönche flüchteten nach Rom.

Die Regula Benedicti – die Benediktinerregel

Die Regula Benedicti, die Benediktinerregel, ordnet den Tagesablauf im Kloster und legt die Position des Abt fest. Vergleicht man sie mit anderen Klosterregeln, so ist sie weniger dogmatisch und weniger streng.
Im Mittelalter wurde sie zur verbreitetesten Ordensregel bzw. Klosterregel des Abendlandes. Das trug sich wie folgt zu: Das Benediktiner Kloster Montecassino lag 140 Jahre lang in seinen Ruinen und Benedikt und seine Klosterregel geriet in Vergessenheit. Ende des 7. Jahrhunderts suchten Mönche des Klosters Fleury bei Orléans, das heutige Kloster St.-Benoît-sur-Loire, nach den Gebeinen Benedikts und brachten sie – was wissenschaftlich aber nicht belegt ist – nach Frankreich. Dort verehrte man diese Reliquien des Heiligen noch heute. Weitere Orte der Verehrung Benedikts sind Monte Cassino, das erst 717 wiederbesiedelt wurde,  Einsiedeln in der Schweiz, Metten in Niederbayern und Benediktbeuern in Oberbayern. Mit der Aktion der Mönche aus Fleury erfolgte eine Wiederbelebung und überhaupt eine Belebung der Regula Benedicti, auch in Italien. Etwa ein halbes Jahrhundert später fasste Karl der Große den Entschluss, allen Klöstern seines Reiches eine einheitliche Klosterregel zu geben. Er ließ sich eine Abschrift der Benediktinerregel nach Aachen bringen und erklärte sie 816 als bindend für alle Klöster im Frankenreich. Die Konsequenz hieraus war, dass der Einfluss der Benediktinermönche rapide zunahm. Sie wurden sehr aktiv und bemühten sich um die Christianisierung der letzten nicht-christlichen Gebiete in Europa. Die Benediktiner übersetzten antike Schriften und sammelten sie. Die Bildungsoffensive, die Karl der Große startete, bedeutete für die Benediktiner, dass sie in jedem Kloster eine Schule führten. Dort wurden Novizen , Söhne aus Fürstenfamilien und aus Stifterfamilien unterrichtet, hauptsächlich im Lesen und Schreiben.

Reformen in der Geschichte der Benediktiner

Der Niedergang der der Benediktiner Klöster folgte jedoch und war die Konsequenz daraus, die die Klöster immer reicher und einflussreicher wurden. Benedikts Kernforderung ora et labora, das Gleichgewicht zwischen Gebet und Arbeit, sowie der Leitsatz der Bescheidenheit fand immer weniger Beachtung. Die Arbeit schob man in den Benediktinerklöstern auf die Laienbrüder ab, die Mönche konzentrierten sich auf ihre Gebete.
Eine Reform war dringend notwendig. Sie ging vom Kloster Cluny in Burgund aus. Viele Klöster folgten. Doch auch hier geriet die Regel Arbeite und Bete bald wieder in Vergessenheit.
Eine weitere Reform folgte etwa 200 Jahre später. Es kam zu Ordensabspaltungen. Das Kloster Citeaux brachte den Orden der Zisterzienser hervor. Es entstanden auch eremitische Orden wie die Kartäuser oder Kamaldulenser . Alle neuen Orden machten sich die Regula Benedicti zur Grundlage und so bestand eine Identität zwischen Mönchtum und Benediktinertum. Diese Übereinstimmung dauerte bis ins 11. Jahrhundert an. Dann entstanden neue katholische Orden , etwa die Prämonstratenser und die Augustiner-Chorherren sowie etwas später Bettelorden.
Die auf Luther zurückgehende Reformation führte im 16. Jahrhundert zur Schließung von mehr als 700 Benediktinerklöstern. Es bestanden etwa 1550 zu jener Zeit.
Die Säkularisierung am Anfang des 19. Jahrhunderts führt schließlich zur Schließung beinahe aller Benediktinerklöster im deutschsprachigen Gebiet. Doch schon 1830 wurden Benediktinerklöster neu gegründet oder alte Klöster restauriert.

Benediktiner heute

Ungefähr 60 Männerklöster und 40 Frauenklöster gehören heute im deutschsprachigen Gebiet dem Benediktinerorden an. Damit ist der Benediktinerorden der Orden der mitgliederstärkste Orden in Deutschland.
Die Klöster der Benediktiner sind in Kongregationen zusammengeschlossen; diese gehörender Benediktinischen Konföderation an.
Bedeutende Benediktinerklöster sind:
Kloster Weltenburg
Abtei Maria Laach
Kloster Andechs
Benediktinerinnenkloster Nonnberg
Kloster Frauenchiemsee
Kloster Eibingen (gegründet durch Hildegard von Bingen)
Kloster Ettal .
Das Leben im Kloster in den Klöstern des Benediktinerordens hat das gemeinsame Gebet im Mittelpunkt, wie zu den Zeiten Benedikts. Die Stundengebete gliedern das Klosterleben. Die Anzahl der vorgeschriebenen Gebetszeiten wurden durch das Zweite Vatikanische Konzil reduziert und jedes Kloster bestimmt die Zahl der Gebetszeiten selbst.
Der Lebensunterhalt der Benediktinerklöster wird durch Arbeit sichergestellt. Manches Benediktinerkloster unterhält eine Schule. Die berühmteste Benediktinerschule ist sicher die Klosterschule Ettal in Oberbayern. Die Benediktiner konzentrieren sich aber auch auf den Bereich der Erwachsenenbildung und halten Seminare ab. Diese Klosterseminare dienen der beruflichen Fortbildung sowie der spirituellen Erfahrung.
Auch Laien werden zeitlich befristet in vielen Benediktinerklöstern aufgenommen. Die Klöster bieten das Kloster auf Zeit sowie den Klosterurlaub an.
Daneben arbeiten Benediktiner auch in der Mission. Die Missionstätigkeit reicht zurück auf die Benediktinerkongregation St. Ottilien, die im 19. Jahrhundert den Zweig der Missionsbenediktiner gründete.