Die ersten Mönche

Mönche vor dem Mittelalter

Jesus hat gesagt: "Liebt mich mehr als eure engste Familie; seid bereit, für mich zu sterben", so steht es im Evangelium Lukas und Matthäus. Das Christentum etablierte sich schnell im römischen Reich. Der römische Kaiser Konstantin ließ sich sogar im Jahr 312 taufen. Ab dem Jahr 391 war das Christentum im Römischen Reich Staatsreligion. Staat und Kirche hatten sich angenähert.

Das lag nicht im Interesse eines jeden. Ihren Unmut brachten manche Christen dadurch zum Ausdruck, dass sie sich in abgeschiedene, unwirtliche Landstriche zurückzogen. Sie sahen die Menschen insgesamt als ihre Familie an, welche es zu verlassen galt, um Gott Jesu zu dienen und zu lieben. Sie wollten auf jegliche Güter und weltliche Freuden verzichten und dazu eigneten sich einsame, wüste Gegenden am besten. Hier konnten die frommen Christen ihre Askese leben. Einer der ersten Eremiten war der Ägypter Antonius der Große, der von 250 bis 355 lebte. Der Legende nach zog er in eine "verlassene Verschanzung, die wegen der Länge der Zeit voll kriechenden Gewürms war". Antonius widerstand nun jeglicher Verlockung der Sinne: er fastet, kleidete sich in Felle und nutzte Wasser nur noch zum Trinken. Die Überlieferungen erzählen auch noch von anderen Eremiten. Einer soll nach 60 Jahren Einsamkeit so wild wie ein Wolf ausgesehen haben, so dass ein Schäfer ihn mit Steinen bekämpfte. Manche ließen sich auch einmauern oder in Felsspalten einsperren. Von Symeon Stylites, dem "Säulenheiligen" (er lebte zuletzt auf einer fast 20 Meter hohen Säule) wird berichtet, dass er ein Geschwür voller Würmer hatte und nichts dagegen unternahm. Symeon Stylites wurde 380 in Syrien geboren. Auch er hatte sich in seinem Asketentum zunächst einmauern lassen. Dann jedoch zog er in die Abgeschiedenheit der Berge. Doch Pilger kamen zu ihm. Also beschloss er, in die Höhe zu ziehen. Es muss um 420 gewesen sein, als er auf eine Säule zog, die er mit der Zeit immer höher baute. Er war der erste christliche Säulenheilige. Wahrscheinlich trug gerade diese Säule mit dazu bei, dass er schon zu seinen Lebzeiten als Heiliger verehrt wurden. Die Pilger kamen in Massen zu ihm und Symeon beantwortete zweimal am Tag ihre Fragen. Sogar der Kaiser verließ sich auf seinen Rat. Stylites starb im Jahr 459. Auch andere Asketen stiegen noch auf Säulen. Der Asket Macarius von Alexandria hingegen legte sich für Monate in den Schlamm und ließ sich von Mücken stechen. Dadurch wollte er sich selbst dafür bestrafen, dass er eine der Mücken erschlagen hatte.

Eremiten

Eremit ist das griechische Wort für Wüsteneinwohner und es wurde bald zur Bezeichnung für diese Christen. Eine andere Bezeichnung war monachus, was für sich allein lebend bedeutet. Die Eremiten bekamen jedoch bald Anhänger, die es ihnen gleich tun wollten und sich in ihre Nähe niederließen. Und es gab Menschen, die zu jenen Wüstenheiligen pilgerten. Um die Säule des Symeon Stylites wurden beispielsweise eine Kirche und Pilgerunterkünfte gebaut. Viele seiner Anhänger lebten dort auch ständig. So entstanden die ersten Klöster im christlichen Raum.
In anderen Religionen gab es jene frommen Einsiedler schon viel früher, etwa in Indien, wo bereits 1000 vor Christus sich Gläubige zusammen fanden und fernab der Welt ihre Frömmigkeit auslebten.
Pachomios, ein aus Ägypten stammenden Eremit, gründet um das Jahr 320 das erste Kloster in Tabennisi auf einer Nilinsel. Dabei war der um 290 geborene Pachomios zunächst Heide, ließ sich jedoch später taufen und begab sich im Jahr 315 als Schüler in die Lehre eines sehr strengen asketischen Eremiten. Die Legende erzählt, die Anweisung, ein Kloster zu gründen, habe er von einem Engel erhalten. Pachomios zog die "evangelischen Räte" Jesu als Regeln für das Zusammenleben heran und schuf damit die erste christliche Klosterregeln. Diese waren Armut, Keuschheit und Gehorsam. Es wurde nach diesen Regeln gemeinsam gebetet, Gottesdienste abgehalten und gearbeitet. Nach dem ersten Kloster des Pachomios wurden in Tabennisi neun weitere Klöster gegründet. Auch zwei Frauenklöster, die von seiner Schwester Maria geleitet wurden, entstanden. Das Wort Kloster hat seine Wurzeln in dem Wort claustrum, was abgeschlossener Raum bedeutet. Pachomios starb im Jahr 346 in einem seiner Klöster.
Von Ägypten breitete sich das Klosterwesen, auch Koinobitentum genannt, weiter aus. (Koinobiten heißt "die Zusammenlebenden".) Zunächst nach Osteuropa. Basileus der Große, ein Kirchenlehrer, setzte die Tradition Pachomios fort und entwickelte sie weiter: das orthodoxe Mönchtum entstand. Bekanntes Beispiel für das orthodoxe Mönchtum nach den Regeln des Basileus ist das Kloster auf dem Heiligen Berg Athos.
Nach Europa brachte das Koinobitentum Athanasius von Alexandria im Jahr 335. Er schrieb die Lebensgeschichte des Antonius in der Viat Antonii in Trier nieder. Auch Mönche, die Athanasius begleiteten, gaben ihre Erfahrung in Europa weiter. Hieronymus gründete daraufhin ein eigenes Kloster in Bethlehem. Martin von Tours, der heilige Sankt Martin, gründete das erste Kloster in Europa in Liguge in Frankreich. Augustinus aus Nordafrika lernte durch Ambrosius von Mailand die Lehren des Athanasius kennen. Er gründete in seiner Hamatstadt Tagaste im heutigen Algerien ein Kloster. Wenig später wurde er Bischof von Hippo. Er begann seine Autobiografie zu schreiben: Confessiones (Bekenntnisse). Und er schuf die Regula Augustini, die erste abendländische Mönchsregel, die auf Gottes- und Nächstenliebe basierte, auf Enthaltsamkeit, Gebet und Gehorsam. Viel später dann wurden die Regel des Augustinus, des Besileus und Pachomios von Benedikt von Nursia aufgegriffen und zu einer neuen Lehre vereint und modifiziert, der Regula Benedikti.

Mönchtum in anderen Religionen

Auch in den anderen Religionen haben die Mönche das Ziel, sich durch Askese und Meditation von weltlichen Dingen loszumachen und so Kontakt zum Universum, zu Gott oder den Göttern zu bekommen. Im Buddhismus gab es ähnliche Anfänge wie im Christentum. So ließen sich Buddhistische Mönche in Tibet in Höhlen einmauern. Lediglich eine kleine Durchreiche für Essen und Trinken war vorhanden. Die Mönche wurden so zu Eisiedlern.

Mönche im Buddhismus

Buddha selbst gründete um 500 n. Chr. den Sangha, die buddhistische Mönchsgemeinde. Diese teilte sich bald und so entstanden viele Mönchsgemeinden. Der Sangha genießt ein hohes Ansehen. Nur wer zu ihm gehört, kann ins Nirwana, dem erleuchteten Ziel jedes Buddhisten gelangen. Die Mönche versuchen das Ziel der Erleuchtung - jedenfalls zum Teil - schon zu Lebzeiten durch Meditation zu erlangen. Sie verstehen die Erleuchtung als Erleben einer Einheit mit dem Universum.
Da viele Mönche nicht nur für ihre Seele etwas tun wollten, sondern auch für ihren Körper, entwarfen die buddhistischen Shaolin-Klöster körperliche Übungen, um die körperliche Widerstandskraft zu stärken. Im Laufe der Zeit entwickelte sich hieraus die Techniken des Kung-Fu. Die Klöster unterstützen den Kaiser mit ihren in der Kampfkunst erprobten Mönchen und erhielten zum Dank dafür Land geschenkt.
In Thailand wird jeder männliche Buddhist einmal in seinem Leben Klostermitglied und damit Mönch, meistens in der Zeit zwischen Schule und Eintritt in das Berufsleben. Er lernt dort die Techniken der Meditation.
Im Lamaismus, der tibetischen Form des Buddhismus, sind die obersten Priester der Klöster jeweils Wiedergeburten verschiedener Buddhas. In Europa ist etwa der Dalai Lama bekannt. Dem Glauben der Tibeter nach inkarniert er innerhalb von 7 Wochen nach seinem Tod in dem Körper eines Kindes.

Mönche im Hinduismus

Im Hinduismus heißen die Mönche Sadhus, was die "Guten" bedeutet. Sie ziehen als Bettelmönche durchs Land und leben ständig in Askese. Es gibt jedoch auch Mönche, die gemeinsam in einem Tempel oder einem Ashram leben. Die Sadhus suchen sich einen Guru, einen Lehrer, welche sie in die Techniken der Meditation einweist. Nach der Vorstellung der hinduistischen Mönche ist die Welt ein falsches Spiegelbild. Diesem müsse man den Rücken kehren. Dann entkomme man dem Kreis der Wiedergeburten und werde erlöst. Jeder Sadhu gelobt deshalb völlige Bedürfnislosigkeit, geschlechtliche Enthaltsamkeit und Heimatlosigkeit.