Die Reformation des Martin Luther

Der Mönch Martin Luther

Martin Luther war einer der größten Kritiker des mittelalterlichen Mönchtums, obwohl (oder gerade?) weil er selbst ein strenger Mönch gewesen war.

Martin Luther hatte zunächst Rechtswissenschaften studiert, trat dann im Jahr 1505 in den Orden der Augustiner-Eremiten ein. Der Legende nach soll Luther dieser Entschluss gefasst haben, als er in einem schweren Gewitter Todesangst ausstand. Dort habe er gelobt, wenn er nicht vom Blitz erschlagen werde, Mönch zu werden. 1507 empfing Luther die Priesterweihe und studierte nun Theologie. Luther befolgte die Ordensregeln gewissenhaft und äußerst sorgfältig.

Die Reformation

So kam es, dass ihm diejenigen seiner Klosterbrüder missfielen, die das Klosterleben nur deshalb führten, um gut versorgt zu werden und sich ansonsten nur wenig an die Regeln hielten. Luther hinterfragte, warum Mönche oder Nonnen eine größere oder gehobenere Frömmigkeit für sich in Anspruch nehmen duften, als die Menschen außerhalb der Klostermauern. In der Bibel oder im Alten Testament gab es hierauf keine Antwort. Luther suchte weiter und fand für sich heraus, dass Armut, Keuschheit, Arbeit oder sonstige gute Taten kein ausreichender Grund für das Seelenheil sein konnten. Denn das im Paulusbrief an die Römer nachzulesen, erlange der Mensch allein durch den Glauben an Christus. Luther sah die Klöster damit als überflüssig an. 1521 verfasste er seine Schrift "De votis monasticis", in der er die Gelübde der Mönche und Nonnen als wirkungslos darstellte. Seine Forderung an die Klosterbrüder und -schwestern lautete: "Werdet andere Mönche und Nonnen oder lasst Kloster und Kutten liegen und werdet wieder Christen." Es folgte eine Austrittswelle aus den Klöstern. Denn eine große Zahl der Männer und Frauen waren nicht freiwillig hinter die Klostermauern gegangen. Luther selbst blieb noch in seinem Kloster, das jedoch seine Mitbrüder bald verließen. Luther verließ das Kloster erst, als er Katharina von Bora kennenlernte. Sie war mit elf anderen Nonnen aus dem Zisterzienserinnenkloster Nimbschen in Wittenberg geflohen. Katharina war schon mit neun Jahren von ihren Eltern ins Kloster gegeben worden. Luther heiratete sie 1525 und verließ damit sein Kloster.
Für viele, die aus ihrem Orden austraten und das Kloster verließen, das sie bisher versorgt hatte, kam eine Zeit der Not. Oftmals wurden sie von ihren Familien nicht wieder aufgenommen. So endeten Mönche nicht selten als Bettler oder sogar Diebe, Frauen als Prostituierte. Viele Mönche und Nonnen weigerten sich - die Not vor Augen - ihr Kloster zu verlassen. Doch nur in wenigen Fällen konnten die Ordensleute sich dem Landesherrn widersetzen. Denn dieser entschied, was mit den Klöstern zu geschehen hatte. Denn war er protestantisch geworden, so waren es automatisch auch all seine Untertanen. In weiten Teilen Deutschlands, die protestantisch geworden waren, verschwand das Mönchtum. Nur sehr vereinzelt konnten sich noch katholische Klöster behaupten. Die Landesherren konfiszierten die Besitztümer der Orden oder aber die Klostergebäude wurden umgewidmet, etwa zu Schulen oder Spitäler. Viele Klosteranlagen verfielen aber auch.
Der Sturm der Reformation brauste auch durch andere europäische Länder. Die katholische Kirche erlebte einen regelrechten Schock. Aber für die Kirche und insbesondere das Mönchtum war es auch eine Chance der Erneuerung. Disziplin, Frömmigkeit und Ordnung rückten wieder in den Vordergrund. Es wurden neue katholische Orden gegründet, die sich nicht allein die Seelsorge, sondern auch karitative Tätigkeiten, Krankenpflege oder Erziehung auf die Fahnen schrieben. Und auch einige alte Orden ließen die Missstände hinter sich und schafften es, sich neu zu organisieren.