Kräuterbücher

Die Materia medica ist das berühmteste Kräuterbuch der Spätantike. Es wurde vom römischen Militärarzt Dioskurides im 1. Jahrhundert n. Chr. verfasst. Dieses Kräuterbuch war das Leitbild der Kräuterbücher des Mittelalters. Im Mittelalter griffen die Klöster aufgrund der benediktinischen Verpflichtung für die Sorge um Leib und Seele das medizinische Wissen der Antike auf.

Lorscher Arzneibuch

Um 795 wurde das Lorscher Arzneibuch verfasst. Dort werden mehr als 500 Rezepturen vorgestellt und medizinisch-pharmazeutische Texte geben Hilfestellungen für die Krankenversorgung. Es gibt Anweisungen zur Ernährung und Hilfsmittel. Das Lorscher Arzneibuch verteidigt zudem die Klostermedizin gegen den Vorwurf, sie würde heidnischen Aberglauben den Weg bereiten. Mit der Bibel wird begründet, dass ärztliches Handeln und christliche Nächstenliebe zusammengehören.

Hortulus

Walahfried Strabo war ein Benediktinermönch und der Abt des Klosters Reichenau. Er lebte von 808 bis 849. Im Jahr 827 verfasste er das Hortulus. Es ist ein Lehrgedicht und wird auch Liber de cultura hortorum genannt. Es beschreibt mittels lateinischer Hexameterverse 24 Heilpflanzen: wie man sie anbaut und anwendet. Strabo lässt hier eigene Erfahrungen mit dem Klostergarten und antikes Wissen zusammen.

Macer floridus

Odo von Meung, genannt Magdunensis, verfasste im Jahr 1080 ein botanisches Lehrgedicht. Es umfasst 2269 lateinische Hexameter. Dieses Lehrgedicht wir das Macher floridus genannt. 77 Pflanzen werden nach Anbau, Verarbeitung und Heilwirkung beschreiben. Meung griff auf Wissen von Plinius, Dioskurides, Galen und Strabo zurück. Er schrieb das Gedicht für Laien. Deshalb konnte das Buch auch im Schulunterricht benutzt werden. Es wurde in viele Sprachen übersetzt und gehörte zum Standard jeder mittelalterlichen Bibliothek.

Causae et curae

Dieses Werk stammt von Hildegard von Bingen. Sie entwickelt im 12. Jahrhundert eine eigene Heilkunde. Die Heilkunde der Hildegard von Bingen umfasste viele Beschreibungen von Heilpflanzen, ihre Eigenschaften, Anwendungen und Wirkungsweisen. Das Buch trug den Titel Casusae et curae. Es griff auf die Grundsätze der traditionelle Viersäftelehre und der Kräuteranwendungen zurück. Hildegard ließ jedoch ihre eigenen Erfahrungen und Anschauungen in dieses Werk mit einfließen. Hildegard von Bingen schuf so eine eigenständige Heilmittellehre. Sie beschrieb die Zubereitung der Heilmittel aus den Heilkräutern und die Anwendung. Nach ihrer Lehre musste der Kranke jedoch bei der Heilung mitwirken; nur dann konnte das Arzneimittel wirksam werden. Er musste auf die natürliche Lebensordnung achten und seinen gesunden Menschenverstand einsetzen. So war ein diszipliniertes, gemäßigtes Leben erforderlich, der dessen Antrieb die Freude an der Gesundheit sein sollte.

Circa instans

In der Mitte des 12. Jahrhunderts entwickelte die Medizinschule von Salerno ein Standardwerk der Arzneikunde, die Circa instans, das Salerner Buch des Bedarfs an einfachen Drogen. Sein Erfolg war dafür verantwortlich, dass das Werk der Hildegard von Bingen nach ihrem Tod in Vergessenheit geriet. Mit der Circa instans wurde das Ende der Klostermedizin eingeleitet. . Sie schuf den Höhepunkt der Arzneiliteratur des Mittelalters. Sie führt mehr als 400 Heilmittel in alphabetischer Reihenfolge auf. Die Heilpflanzen werden nach Aussehen, Anbau und Anwendung beschrieben und in ein Schema eingeordnet. Auch Nebenwirkungen und Folgen falscher Anwendungen wurden beschrieben. Die Circa instans ist die Basis des Apothekerberufs.

Eine Renaissance der mittelalterlichen Kräuterbücher setz te mit der Erfindung des Buchdrucks ein. Insbesondere die Materia medica und das Macer floridus wurden mit seiner Hilfe wiederbelebt und verbreitet.