Klostermedizin

Das Wort Klostermedizin steht für die Epoche der Medizingeschichte des 6. bis 12. Jahrhunderts. In jener Zeit lag die medizinische Versorgung der Bevölkerung bei den Mönchen und Nonnen im Kloster.

Letztendlich geht die Klostermedizin auf den Heiligen Benedikt und seine Regel zurück, denn diese legte den Mönchen auch die Pflicht zum Studium und zu körperlicher Arbeit auf. So sahen es die Mönche als ihre Aufgabe an, Texte der antiken Medizin und anderer Wissenschaften zu kopieren. Dadurch wuchsen umfangreiche Klosterbibliotheken. Das Kloster bot deshalb im Mittelalter eine fundierte medizinische Behandlung an. Diese wurde auch durch das Gebot zu Dienst am Nächsten getragen und ausgebaut. Die Klostermedizin wurde zu einer Institution im mittelalterlichen Gesundheitswesen.

Die Klostermedizin basierte seinerzeit - und so auch heute noch - in erster Linie auf der Kräuterheilkunde. Es wurden keine Heilmittel auf tierischer Basis akzeptiert. Die Mönche insbesondere des Benediktiner-Ordens legten Klostergärten als Kräutergärten an, sammelten wildwachsende Heilkräuter, beobachteten dessen Wirkung und schrieben sie für die Nachwelt nieder.
Eine der Hauptlehren war die sogenannte Viersäftelehre. Sie geht auf die Ärzte der Antike zurück und besagt, dass das schädliche Ungleichgewicht der Körpersäfte der Ursprung aller Krankheiten ist. Zu jeder Krankheit gab es ein oder mehrere passende Heilkräuter.
Die Klostermedizin verstand sich allerdings nicht nur als Heilmedizin. Auch die Gesunderhaltung durch gesunde Lebensführung, Ernährung und die richtigen Umweltbedingungen wurde weiterentwickelt.

Die Klostermedizin hatte ihren Höhepunkt bereits im 11. Jahrhundert überschritten. Es waren vor allem religiöse Reformströmungen, die eine Rückbesinnung auf die religiösen Klosterwerte und eine Abkehr von den weltlichen Aufgaben wie etwa der Wissenschaft forderten. Ausdruck dieser neuen Strömungen waren die Gründung der Orden der Zisterzienser sowie der Dominikaner und Franziskaner. Letztere sind sog. Bettelorden. Zudem wurde im Jahr 1130 auf dem Konzil von Clermont ein klerikales Chirurgieverbot angeordnet. Das Konzil von Tours legte im Jahr 1163 ein medizinisches Ausbildungsverbot für Mönche fest.

Die Klostermedizin erlebte jedoch im Zeitalter des Barock eine Renaissance. Viele Klöster unterhielten jetzt wieder eigene Apotheken. Dies dauerte bis ins 18. Jahrhundert hinein und erst die Säkularisation im Jahr 1803 setzte der Klostermedizin sowie vielen Klöstern generell ein Ende.

Basis der Klostermedizin sind die schon vor 1000 Jahren bewährten pflanzlichen Heilmittel, daneben aber auch eine gesunde Ernährung und ein ausgeglichener Rhythmus von Ruhe und Bewegung. Wichtig ist der klösterlichen Medizin auch die Mäßigung in allen Dingen.

Die Klostermedizin wird in jüngster Zeit immer mehr erforscht; ihr altes Wissen wird mit moderner Medizin verbunden. Heute wird vor allem ihre vorbeugende Wirkung in den Vordergrund gestellt.