Klosterernährung - Gesundheit aus dem Klostergarten

Ernährung aus dem Kloster

Der Mensch ist, was er isst. Dieser Ausspruch führt vor Augen, dass das, was wir essen, zu einem Teil von uns wird. Essen bedeutet den Organismus zu erneuern. Was wir essen und wie wir essen ist also lebenswichtig im wahrsten Sinne des Wortes.

Heute sind Lebensmittel und Nahrungsmittel allerdings im Übermaß zu bekommen; das hat zu einer Geringschätzung des Werts der Lebensmittel geführt, insbesondere der ursprünglichen, naturnahen Lebensmittel. Nahrung wird heute in vielen Fällen industriell erzeugt - und diese Erzeugnisse sind nicht immer unbedenklich. Viele Menschen essen gedankenlos, vertrauen auf die Nahrungsmittelindustrie und anschließend, wenn sie von den Zivilisationskrankheiten betroffen sind, auf die Pharmazie und ihre Ärzte. Viele der Zivilisationskrankheiten werden durch falsche Ernährung verursacht, insbesondere die Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Rheuma und Krebs.

Die Frage, was der Mensch essen soll, um gesund zu bleiben, wurde bereits vor vielen hunderten von Jahren gestellt. Und zwar in verschiedenen Kulturkreisen. In Indien etwa entwickelte sich die Lehre des Ayurveda. Dort wurde versucht, jedes Lebensmittel zu qualifizieren und seine Eignung im Hinblick auf eine gesundheitliche Wirkung zu bestimmen. Im Vordergrund stand dabei nicht die Heilung von Krankheiten, sondern die Gesunderhaltung, also das Fernhalten von Krankheiten. Ähnlich sind die Mediziner des Altertums bei ihren medizinischen Lehren zur Erhaltung der Gesundheit vorgegangen. Hippokrates stellte die Formel auf: Lebensmittel ist Arznei und Arznei ist Lebensmittel. In China entstand zu etwa gleicher Zeit die Lehre von Yin und Yang, die ein Gleichgewicht in allen Lebensbereichen fordert, auch im Bereich der Ernährung. Im Christentum des frühen Mittelalters findet sich die Lehre von der richtigen Ernährung in der Ordensregel des heiligen Benedikt wieder. Dort wurde etwa bestimmt, wie sich ein kranker, ein junger oder arbeitender Mensch zu ernähren hatte.
In der Klosterheilkunde ist das Wissen über die Eigenschaften und Heilkräfte der Lebensmittel, die die Natur hervorbringt, über die Jahrhunderte gerettet worden. Die Klöster waren Zentren des Wissens und der Medizin. Die Mönche und Nonnen haben das Wissen der Kulturen des Altertums über die Lebenskraft und Heilkraft der natürlichen Lebensmittel aber nicht nur bewahrt, sondern auch fortentwickelt und mit der christlichen Lebensweise in Einklang gebracht. Und diese Klosterheilkunde und die Klosterernährung ist gerade heute so aktuell wie nie.

Lebensmittel sind Heilmittel

Wein ist das Blut Christi, Brot das Fleisch Christi - in der heiligen christlichen Messe. Der Schöpfungspsalm 104 spricht in Vers 14 f wie folgt: Der Gras hervorsprossen lässt für das Vieh und Pflanzen zum Dienst des Menschen, damit er Brot hervorbringe aus der Erde und Wein, der des Menschen Herz erfreut; damit er das Angesicht glänzend mache vom Öl und Brot des Menschen Herz stärke. - Die Schöpfung ist also ein Geschenk und umfasst auch die Nahrung des Menschen. Die frühen Christen haben dieses Geschenk dankbar empfangen und fühlten sich verpflichtet, es sorgsam zu bewahren. Ihnen galten die das "Leben spendende Mittel" zudem als heilsam. Leben in der schöpferischen Form war für sie gesundes Leben - und dies galt es zu bewahren, durch die Gaben der Schöpfung. Lebensmittel waren damit Heilmittel und Heilmittel Lebensmittel.
Kurz zurück zu Brot und Wein und Öl: sie galten auch den antiken Griechen als Geschenk der Götter Demeter, Athene und Dionysos. Demeter war der Gott des Ackerbaus, Athene die Göttin der Weisheit und Dionysos der Gott des Weines.

Klosterheilkunde der Mönche und Nonnen

Die Klosterheilkunde der Mönche und Nonnen beruht auf dem Gedanken der Vorbeugung vor Krankheiten durch eine gesunde, richtige Ernährung. Damit ist sie eine Ernährungslehre. Sie nimmt das Wissen der antiken und frühmittelalterlichen Heilkunde und Ernährungslehre in sich auf und entwickelt sie fort. Dadurch hat sie viel mit der TCM, der traditionellen chinesischen Medizin und der aus Indien stammenden Lehre des Ayurveda gemein, denn es gibt gemeinsame Wurzeln.
Mit der Rezeption dieser antiken und frühmittelalterlichen Heilkunde trat auch im Christentum die ganzheitliche Sicht der Krankheiten in den Vordergrund: Krankheit und Heilung sind eng mit der Lebensweise, dem Umfeld und dem seelischen Zustand des Menschen verbunden. Krankheit war damit nicht mehr nur Strafe für Sünden oder eine Prüfung Gottes. Besonderer Bedeutung wurde der Verdauung beigemessen. Sie wurde als der für die Gesundheit wichtigste körperliche Vorgang betrachtet, sie war der Ansatz für ein gesundes Leben. Hier setzte auch die Viersäftelehre an.