Die antike Grundlagen der Klostermedizin

Papyrus Ebers

Die Klostermedizin und Klosterheilkunde stützt sich auf antike Quellen. Im Jahr 1600 v. Chr. finden wir die Papyrus Ebers, die wichtigste Grundlage der antiken ägyptischen Medizin. Es ist eine Sammlung von 877 Texten. Sie enthalten Rezepte und Abhandlungen über Pflanzen, Gewürze sowie Arzneidrogen und deren Wirksamkeit.

Platon

Der große griechische Philosoph und Mediziner Platon lebte um 427 bis 347 v. Chr. Er vertrat ein Gesundheitssystem, das von einem harmonischen Gleichgewicht zwischen den drei Grundelementen Pneuma (Wind), Chole (Feuer oder Galle) und Phlegma (Wasser) ausgeht. Zudem stellte er eine strenge, gesunde Lebensweise in den Vordergrund. Wahrscheinlich hat die Indische Heilkunde die Lehre von Platon beeinflusst, aber auch umgekehrt sind Einflüsse vorhanden gewesen.

Hippokrates

Hippokrates war ein griechischer Arzt im Altertum. Er lebte von 460 bis 375 vor Christus. Er gründe die Medizinschule von Kos und stand ihr vor und machte sich für die Abkehr von magisch-religiösen Vorstellungen über die Entstehung von Krankheiten stark. Er wandte sich der Medizin als vernunftgemäße Erfahrungswissenschaft zu. Seine gesammelten Schriften, die Corpus Hippocraticum sind die Grundlagen für die Entwicklung der Schulmedizin. Hippokrates lehrte, dass Krankheit aus dem Ungleichgewicht der vier Körpersäfte entsteht. Die Körpersäfte waren Blut, schleim, gelbe Galle und schwarze Galle. Eine Heilung konnte durch Diät, Umstellung des Lebenswandels, Arzneimittel und Chirurgie erfolgen. Hippokrates lebte von 460 bis 375 v. Chr. .

Hippokrates war deshalb wohl der bekannteste Arzt des griechischen Altertums. An der Medizinschule von Kos war er an einer Sammlung von medizinischen Schriften beteiligt, an denen auch andere Mitglieder der Ärzteschule von Kos mitwirkten, dem Corpus Hippocraticum. Tragender Geist dieser Schriften war das Bestreben, eine Medizin zu schaffen, die sich aus rationalen Naturbeobachtungen ableiten ließ. Die Medizin als Wissenschaft wurde hier begründet. Hippokrates versuchte, die Krankheiten naturphilosophisch zu erklären. Ihre Ursache wurde in einem Ungleichgewicht der vier Körpersäfte gesehen. Geheilt werden sollen sie durch eine Neuordnung der Lebensweise, durch Diät und, falls nicht anders möglich, durch Arzneimittel und Operation. Besonders wichtig war die Diätetik, die zum einen die richtige Gewichtung von Essen und Trinken war, zum anderen aber auch die übrigen Bereiche des Lebens umfasste, etwa die Moral oder die Gerechtigkeit.

Aristoteles

Aristoteles war ein griechischer Philosoph. Auf ihn geht die Lehre von den Primärqualitätenpaaren zurück. Sie sind: Luft und Blut, Feuer und gelbe Galle, Wassser und Schleim, Erde und schwarze Galle. Die Lehre besagt, dass der Microkosmos und der Makrokosmos aus diesen elementaren Bausteinen bestehen. Vermischt man sie oder ändert ihr Verhältnis, so entstehen neue materielle Stoffe. Aristoteles lebte von 384 bis 322 v. Chr.

Plinius

Gaius Plinius Secundus der Ältere (23 bis 79 n. Chr.) verfasste eine 37bändige enzyklopädische Naturgeschichte, die Naturalis historia. Darin ist die Essenz der Werke von 100 Autoren enthalten. Die Naturalis historia ist eine der wichtigsten Quellen der Klostermedizin.

Dioskurides

Pedanios Dioskurides schuf das fünfbändige Werk Materia medica zwischen 60 und 70 n. Chr. Er war Militärarzt unter den römischen Kaisern Nero und Claudius. Die Materia medica ist das wohl bedeutendste Arzneibuch der Antike. Es beschreibt alle bekannten pflanzlichen, tierischen und mineralischen Heilmittel, zeigt ihre Wirkung und die Art ihre Anwendung auf.

Galen - Galenos von Pergamon

Galen oder Galenos von Pergamon war ein griechischer Mediziner und lebte von 129 bis etwa 200 n. Chr. Er war griechischer Arzt und Astronom. Auf ihn geht die Verbindung der medizinischen Lehren nach der dogmatischen und der empirischen Tradition zurück. Es war Hippokrates, der die empirische Schule gegründet hatte und der von seine medizinisches System auf die Viersäftelehre gründete. Die dogmatische Tradition der Medizin stammt aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. und basiert auf der alexandrinische Medizin nach Erasistratos und Herophilos, die die festen Bestandteile des Körpers in den Vordergrund stellte. Galen führte die Viersäftelehre fort und gründete seine Forschungen auf die Vorstellungen Aristoteles, nach der die Natur jeder Körperstruktur so geschaffen hat, dass sie ihre Funktion auf bestmögliche Art bewältigen kann. Die Klostermedizin der Hildegard von Bingen knüpft an die Theorien Galens an.

Die Viersäftelehre besagt, dass die Gesundheit des Menschen vom individuellen Gleichgewicht der der vier Säfte Blut, Schleim, gelbe Galle und schwarze Galle abhängig ist. Bei einem Ungleichgewicht entwickelt sich eine Krankheit. Diese Lehre war bis zum 19. Jahrhundert prägend für die gesamte Medizingeschichte.

Cassiodor und das Vivarium

Cassiodor lebte von 490 bis ca. 580, also im Übergang von Spätantike zum Mittelalter. Er war Praefectus, Consul und Berater des Ostgotenkönigs Theoderich des Großen. Vor allem aber war er der Wegbereiter des europäischen Mönchstums und leitete damit eine neue Epoche der Kultur ein. Auf ihn geht die Gründung der klosterähnlichen Bildungseinrichtung Vivarium zurück. Es wuchs rasch zum Zentrum des religiösen und kulturellen Lebens, was nicht zuletzt darauf zurück zu führen war, dass die dortige Bibliothek sämtliche Schriften des klassischen Altertums zur Verfügung stellte. Unter Cassiodor wurden viele dieser Schriften ins Lateinische übersetzt, denn Cassiodor war ein Anhänger dieser antiken medizinischen Wissenschaften.

Avicenna

Der persische Arzt Abu Ali Ibn Sina, besser bekannt unter dem Namen Avicenna lebte um 980 bis 1037 und gilt als Vater der modernen Medizin. Er war nicht nur Mediziner, sondern auch Jurist, Philosoph, Physiker und Mathematiker. Sein berühmtestes Werk, der Canon Medicanae oder al-Quanum al-Tibb, ist eine Verfeinerung der griechischen, römischen und arabischen Medizin-Theorien. Avicenna stellt wie seine antiken Vorgänger die Diäten in den Vordergrund der Heilmittel. Denn auch für Moslems haben Essen und Trinken einen sakralen Charakter und sollen nach Avicenna an das Leben und seine Perioden angepasst werden, also an Tageszeiten und Jahreszeiten oder Bewegung und Ruhe. Man darf nicht verkennen, dass im frühen Mittelalter die arabische Medizin der der christlichen Welt bei weitem überlegen war und so war es, was die Medizin anbelangt, für das christliche Europa ein großer Nutzen, dass der Islam Anfang des 8. Jahrhunderts über Afrika seinen Weg ins heutige Spanien, in das damalige Emirat Cordoba fand. Es wurde zu einem medizinischen Kulturzentrum mit Krankenhäusern, Universitäten und einer Bibliothek von mehr als einer halben Million Bänden. Avicenna war ebenfalls prägend für die Klosterheilkunde und Klostermedizin .