Zu Gast im Kloster

Klosterurlaub nach den Regeln des Hl. Benedikt

Was ist das Besondere an einem Urlaub im Kloster? Ein Klosterurlaub ist Wellness für Körper, Geist und Seele. Es besteht vielfach die Möglichkeit, an Meditationen und Kontemplationen teilzunehmen. Es werden Fastenkuren oder auch Musikmeditationen angeboten. Der Umgang mit der Natur wird gelehrt. Es können aber auch mittelalterliche Praktiken, etwa Töpferhandwerk oder Bogenschießen erlernt werden. Jedes Kloster, das einen Klosterurlaub anbietet, hat ein eigenes Programm.

Generell sollte man jedoch, bevor man ein Kloster anspricht, versuchen, sich darüber klar zu werden, was einen Menschen erwartet, der Gast in einem Kloster ist.

In Benediktinerklöstern wird die Gastfreundschaft nach der Regel des heiligen Benedikt praktiziert. Diese Regel gilt aber auch für viele andere Ordensgemeinschaften. Die Regel, so wie sie im 53. Kapitel des Regelwerkes des hl. Benedikt verzeichnet ist, lautet:
"Die Aufnahme der Gäste
Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus; denn er wird sagen: "Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen."
Allen erweise man die angemessene Ehre, besonders den Brüdern im Glauben und den Pilgern.
Sobald ein Gast gemeldet wird, sollen ihm daher der Obere und die Brüder voll dienstbereiter Liebe entgegeneilen.
Zuerst sollen sie miteinander beten und dann als Zeichen der Gemeinschaft den Friedenskuss austauschen. Diesen Friedenskuss darf man wegen der Täuschung des Teufels erst nach dem Gebet geben.
Allen Gästen begegne man bei der Begrüßung und beim Abschied in tiefer Demut: man verneige sich, werfe sich ganz zu Boden und verehre so in ihnen Christus, der in Wahrheit aufgenommen wird.
Hat man die Gäste aufgenommen, nehme man sie mit zum Gebet; dann setze sich der Obere zu ihnen oder ein Bruder, dem er es aufträgt.
Man lese dem Gast die Weisungen Gottes vor, um ihn im Glauben zu erbauen; dann nehme man sich mit aller Aufmerksamkeit gastfreundlich seiner an. Das Fasten breche der Obere dem Gast zuliebe, nur nicht an einem allgemein vorgeschriebenen Fasttag, der eingehalten werden muss. Die Brüder aber fasten wie gewohnt. Der Abt gieße den Gästen Wasser über die Hände; Abt und Brüder zusammen sollen allen Gästen die Füße waschen. Nach der Fußwaschung beten sie den Psalmvers: "Wir haben, o Gott, deine Barmherzigkeit aufgenommen inmitten deines Tempels." Vor allem bei der Aufnahme von Armen und Fremden zeige man Eifer und Sorge, denn besonders in ihnen wird Christus aufgenommen. Das Auftreten der Reichen verschafft sich ja von selbst Beachtung.
Abt und Gäste sollen eine eigene Küche haben; so stören Gäste, die unvorhergesehen kommen und dem Kloster nie fehlen, die Brüder nicht. Diese Küche übernehmen für je ein Jahr zwei Brüder, die für diese Arbeit gut geeignet sind. Sooft sie es brauchen, gebe man ihnen Hilfen, damit sie ohne Murren dienen; sind sie jedoch zu wenig beschäftigt, sollen sie zu der Arbeit gehen, die man ihnen aufträgt. Doch nicht nur hier, sondern für alle Aufgabenbereiche im Kloster gelte der Grundsatz: Wer Hilfe braucht, soll sie erhalten; wer jedoch frei ist, übernehme gehorsam jeden Auftrag.
Die Unterkunft für die Gäste vertraue man einem Bruder an, der von Gottesfurcht ganz durchdrungen ist. Dort sollen genügend Betten bereitstehen. Das Haus Gottes soll von Weisen auch weise verwaltet werden.
Mit den Gästen darf niemand ohne Auftrag zusammen sein oder sprechen. Wer ihnen begegnet oder sie sieht, grüße sie, wie schon gesagt, in Demut, bitte um den Segen und gehe weiter mit der Bemerkung, es sei ihm nicht gestattet, sich mit einem Gast zu unterhalten."

Im christlichen Denken nimmt die Gastfreundschaft von Anbeginn an eine besondere Stellung ein. Die" Ur-Christen" teilten alles, was sie hatten und luden sich gegenseitig in ihre Wohnstätten ein; dort zelebrierten sie den Gottesdienst und speisten dann gemeinsam. Zu Gästen, die von außerhalb der Gemeinde kommen, sagt die Bibel (Hebr 13,2): Vergesst die Gastfreundschaft nicht, denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.
Und Jesus sagt: Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen (Mt 25,35). An diese Aussage knüpft das oben zitierte Kapitel über die Gastfreundschaft im Regelwerk des heiligen Benedikt an. Die Aufnahme von Gästen in die klösterliche Gemeinschaft gehörte für ihn mit zur Spiritualität.

Allzu wörtlich darf man die Regel des heiligen Benedikt in der heutigen Zeit sicher nicht nehmen, so wird man wohl keinen Abt mehr finden, der zusammen mit seinen Brüdern dem Gast die Füße zum Willkommen wäscht.
Wichtig ist aber zu erkennen, dass der Geist des heiligen St. Benedikt fortlebt: den Menschen, die als Gast ins Kloster kommen, soll offen und unvoreingenommen begegnet werden. Es soll als Freund behandelt werden, und Freunde teilen, geben und nehmen.

Urlaub im Kloster liegt im Trend

Urlaub im Kloster ist trendy geworden. Im Jahr 2008 konnten die meisten deutschen Orden gleichbleibend hohe oder sogar wachsende Besucherzahlen verzeichnen. In Krisenzeiten suchten die Menschen schon immer Rat und Ruhe bei der Kirche. Die Prognose spricht also für weiter wachsende Zahlen beim Klosterurlaub. Das gilt sowohl für Klöster in Deutschland, aber auch für die Klöster in Österreich oder der Schweiz oder im noch weiter entfernt liegenden Ausland.