Kloster Tagesablauf

Das opus dei

Der Kloster Tagesablauf dreht sich um das opus dei. Das opus dei ist das Gotteslob. Es ist die wichtigste Aufgabe innerhalb der Klostergemeinschaft. Im Kloster verrichtet man das opus dei gemeinschaftlich und individuell.

Es sind die gemeinsamen Stundengebete, die den Tagesablauf im Kloster, den Tagesablauf der Mönche und Nonnen, bestimmen. Sie werden im Chor der Kirche abgehalten. Wie der Tagesablauf im Kloster haben auch der Wochengang und der Jahreslauf eine einfache Struktur.

Stundengebet

Das christliche Stundengebet leitete sich aus den täglichen Gebetszeiten des Judentums ab. Psalm 119, Vers 164 besagt: „Ich lobe dich des Tages siebenmal.“ Psalm 119, Vers 62 lautet: „Zur Mitternacht steh ich auf, dir zu danken.“ Man sieht somit, dass sowohl jüdische als auch christliche Stundengebete auf den Psalmen beruhen.
Im Mönchtum der frühchristlichen Zeit betete man täglich alle 150 Psalmen. Der heilige Benedikt teilte die täglichen Stundengebete in Horen ein.  Benedikt verteilte die 150 Psalmen auf die Stundengebete einer Woche. Der Zweite Vatikanische Konzil der 1960er Jahre reformierte die Liturgie. Seither ist es erlaubt, die 150 Psalmen über einen Zeitraum von vier Wochen zu verteilen.
Die Horen sind achtmal in den Tagesablauf eingebettet. Sie bestehen aus christlichen Gebeten, Psalmen, Hymnen und Lesungen. Im Mittelalter teilte man den hellen Teil des Tages in fünf gleich lange Abschnitte ein. Die Dauer der Horen variierte folglich, da die Sonne im Verlauf der Jahreszeiten Tageslicht in unterschiedlicher Länge spendet. Die mittelalterlichen Zeiten der Stundengebete lassen sich deshalb mit der heutigen Zeiteinteilung nicht mehr festlegen.

Vigil

Die erste Hore nennt man Vigil oder Matutin . Sie findet zwischen Mitternacht und frühem Morgen statt. Vigil wird mit einem Psalm eröffnet, danach folgt ein Hymnus und eine oder zwei Nocturnen. Die Nocturnen bestehen aus Psalmen und einer Lesung. Eine dritte Nocturn setzt man an Sonntagen und Feiertagen ein. Heute ist es üblich, dass in den Klöstern die Vigil auf eine Nocturn verkürzt ist. Seit der schon oben genannten Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils darf man Vigil sogar ganz verlegen und am Tag als sogenannte Lesehore nachholen.

Laudes

Laudes und Vesper sind die wichtigsten Stundengebete. Sie dauern jeweils ca. 30 Minuten.
Die Laudes sind das Morgengebet, das bei Anbruch des Tages gebetet wird. Die Laudes loben und gedenken mit dem Symbol der aufgehenden Sonne an den auferstandenen Christus. Die Laudes beinhalten Psalmen, Gebete, Hymnen, Segnungen und Lesungen. Man hält sie normalerweise zwischen 6 und 8 Uhr ab.

Prim, Terz, Sext, Non

Prim, Terz, Sext und Non sind die sogenannten kleinen Horen, Stundengebete, die im Abstand von drei Stunden nach der mittelalterlichen Zeiteinteilung gebetet werden.
Prim wird unmittelbar vor den Laudes gebetet, heute bildet sie mit ihnen meistens eine Einheit. Eine Ausnahme findet man im Kartäuserorden. Dort beten die Mönche die Prim selbständig.
Der Heilige Benediktus erklärte in seiner Benediktregel, dass Terz , Sext und Non drei willkommene Unterbrechungen der Arbeit sein sollen.  Bei vielen Orden ist es heute üblich, die drei kleinen Horen Terz, Sext und Non zu einer Tageshore zusammen zu fassen. Man betet sie meistens vor dem Mittagessen und nennt sie Mittagshore.

Vesper

Die Vesper ist das zentrale Abendgebet. Vesper beinhaltet Psalmen, Hymnen, das Vaterunser, die Schriftlesung, Fürbitten und das Magnifikat.
Die Komplet ist die letzte Hore, die mit der Vollendung des Tages gebetet wird, das Nachtgebet. Nach der Eröffnung folgen ein Bußgebet, ein Hymnus, Psalmen, eine Lesung, ein Responsorium, ein Lobgesang, ein Oratorium und der Segen. Das Komplet begehen die meisten Klöster um 20 oder 21 Uhr. Danach setzt das nächtliche Stillschweigen ein. Nur Vigil darf das Schweigen unterbrechen.

An einigen Gebetszeiten des Stundengebets können in manchen Klöstern auch Besucher teilnehmen um den Kloster Tagesablauf kennen zu lernen, meist an der Mittagshore und der Vesper.

Neben den gemeinsamen Stundengebeten und der gemeinsamen Messe stehen die individuellen Gebete der Mönche und Nonnen. Die Bibel sagt „Betet ohne Unterlass“, 1 Thess.5,17. Zu den individuellen Gebeten im Kloster zählen die lectio, das Lesen biblischer Texte, die meditadio, das Nachdenken über das Gelesene sowie die oratio, die Hinwendung zu Gott im Gebet. Die individuellen Gebete werden in der persönlichen Kloster-Zelle oder im Kreuzgang abgehalten. Sie sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil im Kloster Tagesablauf.

Tagesablauf im mittelalterlichen Kloster

Der Tagesablauf im Kloster im Mittelalter unterscheidet sich etwas von dem heutigen Tagesablauf im Kloster.

Matutin

Um 2 Uhr versammelten sich die Mönche in der Klosterkirche um zu beten und Psalmen zu singen. Es war eine Frühmesse, die den Auftakt des täglichen Gottesdienstes bildete. Lektionen, Kantika und Hymnus "Te deum laudamus" waren weitere Inhalte.

Laudes

Bei Tagesanbruch wurde das Laudes, das Gotteslob gebetet.

Prim

Das erste Gebet, Prim, erfolgte gegen 6 Uh.
Dann wurde gearbeitet. Ora et labora, bete und arbeite, war der Leitspruch des Heiligen Benedikts. Müßiggang war der Feind der Seele. Es wurden heilige Schriften studiert. Arbeiten und Studieren wurden durch die folgenden Stundengebete und die Mahlzeit(en) unterbrochen.

Terz

Gegen 9 Uhr wurde Terz gebetet, Hymnus und Psalmen.

Sext

Gegen 12 Uhr war Sext an der Reihe, wieder Hymnus uns Psalmen.
Nun wurde zu Mittag gegessen. Allerdings nur in der Zeit zwischen Ostern und September. Es gab kein Fleisch; dieses war nur für Kranke bestimmt.

Non

Gegen 15 Uhr wurde Non gebetet, Hymnus und Psalmen.

Vesper

Vesper wurde gegen 17 Uhr gebetet, wieder Hymnus und Psalmen.
Anschließend wurde zu Abend gegessen. Von September bis Ostern war dies die einzige Mahlzeit des Tages für die Mönche.

Komplet

Gegen 18 Uhr beteten die Mönche das Schlussgebet Komplet. Danach legten sie sich 30 Minuten nach Sonnenuntergang in voller Bekleidung zum Schlafen nieder.