Inquisition im Mittelalter

Kampf gegen die Ketzerei

Die Inquisition richtete sich gegen die Ketzer. Doch woher rührte dieser Begriff? Die Antwort lautet: von dem Wort Katharer. Die Katharer waren eine religiöse Laienbewegung, eine Sekte. Die Katharer lebten bis zum Ende des 14. Jahrhunderts vorwiegend in Südfrankreich. Die materielle Welt war für sie die Welt des Teufels. Körper und Seele war für sie unvereinbar. Sie lebte deshalb keusch, asketisch und in Armut. Die Ehe und die Zeugung von Kindern war ihnen verboten. Sie waren damit sehr kirchenkritisch eingestellt.

Die Katharer

Doch der Reihe nach: Nachdem es im Heiligen Land vernichtend geschlagen wurde, machte sich das Mönchtum im Hochmittelalter auf, im eigenen Abendland gegen Ungläubige vorzugehen. Es begann mit dem im Jahre 1179 in Kastilien geborenen Domingo de Guzman. Er nannte sich Bruder Dominikus und durchstreifte im Jahr 1206 als Wanderprediger mit päpstlichem Auftrag von Innozenz III durch Südfrankreich. Viele Menschen hatten sich in jener Zeit von der Kirche abgewandt, die in vielen Bereichen dekadent und korrupt geworden war. In Südfrankreich traten hier besonders die Katharer hervor, die die Nachfolge der Apostel in Armut lehrten. Ihnen und ähnlich denkenden sollten entgegengetreten werden. Bruder Dominikus Leitspruch lautete: Nur wenn wir leben wie die Ketzer und lehren wie die Kirche, können wir die Menschen auf den wahren Weg zurückführen. Und so predigte er hauptsächlich gegen die Katharer.

Die Inquisition

Bereits Papst Lucius III hatte im Jahr 1184 einen Aufruf gegen die Ketzerei gestartet. Doch die Bischöfe hatten sich darum wenig gekümmert. Zudem war kein Straftatbestand vorhanden, der das Strafmaß bei Ketzerei regelte. Papst Innozenz III schaffte hier Abhilfe. Im Jahr 1199 erließ er ein Dekret mit einem umfangreichen Maßnahmenkatalog gegen die Ketzerei. Hervorzuheben ist, dass die Ketzerei darin mit der Majestätsbeleidigung gleichgesetzt wurde. Auf jenes Vergehen stand somit die Todesstrafe und die Konfiskation sämtlicher Besitztümer. Der Papst schuf im Jahr 1206 auch ein besonderes, für die damalige Zeit sehr fortschrittliches Untersuchungsverfahren: die Inquisition. Es konnte von Amts wegen im öffentlichen Interesse Anklage erhoben werden. Damit galt nicht mehr der Grundsatz, wo kein Kläger, da kein Richter. Dem Angeklagten musste die Ketzerei aber nachgewiesen werden, konkrete Beweise wurden verlangt. Ein Ketzer konnten also nur dann überführt werden, wenn der Ankläger und Richter seine Verfehlung erkannte; beide mussten somit über theologisches Wissen verfügen. Hier rekrutierte Papst Innozenz III die Anhänger des Dominikus, die über ein solches Wissen verfügten. Im Jahr 1207 gründete Dominikus daraufhin in Prouille in der Nähe von Carcassonne ein Kloster und im Jahr 1217 wurde der Dominikanerorden, der Ordo fratrum Praedicatorum, was übersetzt Predigerorden bedeutet, vom Papst anerkannt.

Die ersten Inquisitoren

Doch dem Papst reichte ein Vorgehen gegen die Ketzer durch bloßes Predigen nicht aus. Er konnte König Philipp II August von Frankreich im Jahr 1209 dazu bewegen, mit Waffengewalt gegen die Ketzer vorzugehen. Es fand ein 20 Jahre andauernder Feldzug, der sog. Albigenserkreuzzug im Gebiet zwischen Albi, Toulouse und Carcassone statt. Dabei wurde die okzitanischer Kultur ausradiert, die Ketzer allerdings nicht. Der Grund lag sicherlich auch darin, dass die Bischöfe den Papst nur wenig unterstützten. Auch die Dominikaner konnten mit ihren Predigten nicht den gewünschten Erfolg erzielen. Kaiser Friedrich II hatte zudem Gesetzes gegen die Häresie erlassen und damit die Ketzerverfolgung zur weltlichen Angelegenheit gemacht. Das lag nicht im Interesse des Heiligen Stuhl. Papst Gregor IX setzte deshalb eigene Beauftragte ein, die die Ketzer finden sollten. Diese Beauftragen waren überwiegend die Dominikaner, die umfassende theologische Kenntnisse besaßen, was erforderlich war, denn das Inquisitionsverfahren war nunmehr auch durch den 4. Laterankonzil im Jahr 1215 für verbindlich erklärt worden. Am 22. November 1231 übergab Papst Gregor IX zwei Dominikanern aus Regensburg eine päpstliche Bulle, in der er ihnen den Auftrag zur Ketzerverfolgung mit richterlichen Befugnissen erteilte. Sie wurden damit zu Inquisitoren. Das war der Beginn der heiligen Inquisition. Die Inquisitoren waren in tatsächlicher Hinsicht von der weltlichen Macht und den Bischöfen abhängig. Kaiser Friedrich II hatte 1232 einen Erlass verfügt, nach dem die Behörden die Inquisition unterstützen mussten. Doch es kam zu Spannungen zwischen dem Kaiser und dem Papst. Und auf dem Konzil von Lyon im Jahr 1245 wurde der Kaiser Friedrich II selbst wegen Ketzerei verurteilt. Kar, dass es fortan keine Unterstützung für die Inquisition mehr in Deutschland gab. Das änderte sich erst im 14. Jahrhundert wieder. Doch einen großen Einfluss gewannen die päpstlichen Inquisitoren auch dann nicht. Und im Laufe der Zeit verlagerte sich die Verfolgung der Ketzer, insbesondere auch der Hexen, auf die weltlichen Gerichte.

Der Name der Rose

Die Inquisition in Frankreich war beinahe ausschließlich in den südlichen Landesteilen, dem ehemaligen Okzitanien, aktiv. Als der Albigenserkreuzug beendet war, wurde weiterhin mit System gegen die Ketzer vorgegangen. Unter den französischen Inquisitoren tat sich der Dominikaner Bernard Gui, der von 1307 bis 1324 in Toulouse sein Amt ausübte, besonders hervor. Viele kennen ihn wahrscheinlich aus Umberto Ecos "Der Name der Rose". Er erreichte fast 1000 Verurteilungen und fast 40 Hinrichtungen. Man sieht also, dass Todesurteile nicht die Regel darstellten. Die übliche Strafe waren das Tragen von Stoffkreuzen, Bußwallfahrten oder Gefängnis.
Auch im Norden Italiens wurde der Kampf gegen die Ketzer geführt. Hier fehlte den Behörden jedoch oft der Wille, die Inquisitoren zu unterstützen. Darum erließ Papst Innozenz IV im Jahr 1252 ein Dekret, dass die Einführung der Folter als Methode der Beweisgewinnung bei der Inquisition erlaubte. Seit 1256 wurde die an sich auf Norditalien beschränkte Anordnung überall angewendet.
Die Inquisition richtete sich in erster Linie gegen die Katharer. Als es diese nicht mehr gab, wurden andere Häretiker zum Ziel, bis sich Inquisition schließlich gegen den Protestantismus wandte. Die Inquisition wurde nun in Heiliges Offizium umgetauft. Ihr stand ein Kollegialorgan von sechs Kardinälen vor. Aus politischen Erfordernissen musste sich dieses Gremium auf die Verfolgung von Ketzern in Italien beschränken. Insbesondere wurden neue Ideen, die den katholischen Grundsätzen zuwiderliefen verfolgt. Prominentes Beispiel war Galilei.
In Spanien stand die Inquisition schon von Anbeginn unter der Aufsicht des Königs, der sie zu politischen Zwecken benutzte. König Ferdinand etwa ging im 15. Jahrhundert gegen die Juden vor. Sie mussten entweder das Land verlassen oder sich taufen lassen. Gegen die zwangsgetauften Juden wurde dann das Instrument der Inquisition eingesetzt. Tausende kamen dabei ums Leben. In den zwei darauf folgenden Jahrhunderten wurde ähnlich gegen die Moslems vorgegangen. Auch sie mussten sich zwangstaufen lassen und sich dann später der Inquisition aussetzen.