Die Abtei Cluny in Burgund feiert im Jahr 2010 ihr 1100-jähriges Bestehen. Sie war mehr als drei Jahrhunderte lang das größte Gotteshaus der Christenheit. Es war der zu Stein gewordene Wille, Gott zu Ehren etwas Einmaliges zu schaffen. Doch eine riesige Kirche gibt es in der Abtei Cluny nicht. Es ist ein achtkantiger Kirchturm, der die Besucher empfängt. Der heute noch erhaltende Turm ist jedoch lediglich ein Nebenturm der einst fünf Türme des Gotteshauses. Die Kirche war 187 Meter lang, 40 Meter länger als der Kölner Dom!
Die Abteikirche des 3. Jahrhunderts war die dritte, die die Ordensgemeinschaft von Cluny gebaut hat. Man kann sie unbestritten als Höhepunkt der romanischen Kunst bezeichnen, wenngleich sie schon der Übergang zur Gotik einleitet. Sie überbot alles, was seinerzeit Standard war. Es gab vier Seitenschiffe, zwei Querschiffe une eine Apsis mit Säulenumgang. An sie schlossen sich fünf halbrunde Kapellen an.
Im Jahr 910, dem Jahr der Klostergründung, waren es gerade einmal zwölf Mönche, die sich in Cluny niedergelassen hatten. Sie wollten die Ordensregel des heiligen Benedikts wieder genauer befolfen, als es seinerzeit in den Klöster üblich war. Es handelte sich um eine Reform-Mönchsgemeinschaft in Cluny. Sie war direkt dem Papst unterstellt. Der Abt wurde aus den Reihen der Mönche gewählt und nicht vom weltlichen Landesherren, wie sonst üblich, bestimmt. Cluny hatte zudem das Recht, Tochterklöster zu gründen. So konnte sich die klösterliche Reformbewegung hin zu den Regeln des heiligen Benedikts in ganz Europa ausbreiten. So göhrten schließlich 1200 Klöster mit 20.000 Mönchen dazu.
Cluny hatte eine starke Stellung. Im Mittelalter reisten Päpste mit der gesamten Kurie ins Burgund, um das Kloster Cluny für längere Zeit zu besuchen. Der Bau der Klosterkirche war der Höhepunkt der Reformbewegung - und gleichzeitig sicher auch sein Ende, denn die Dimensionen waren alles andere als im Sinner der Einfachheit, die der Benediktusregel zugrundeliegt. Wieder war das ora et labora erschüttert.
Die Mönche in Cluny hatten sich so sehr dem Gottesdienst verschrieben, dass sie die handwerkliche Arbeit vergießen. Hier setzten später die Zisterzienser mit einer weiteren Reformbewegung an.
Die französische Revolution setzte schließlich der Abteikirche von Cluny ein Ende. Man verkaufte sie und verwertete sie als Steinbruch. Heute sind nur lediglich 10 Prozent erhalten, darunter die südlichen Querschiffe.
Das Jubiläumsjahr 2010 bringt für die Besucher der Abtei technische Neuerungen mit. Auf einem großen Flachbildschrim wird das Bauwerk gezeigt, wie es im 12. Jahrhundert im romanischen Stil dastand.
In Paray-le-Monial steht mit der dortigen Basilika eine Art Miniaturausgabe von Cluny. Sie ist eines der schönsten Beispiele der cluniazensischen Architektur. Allerdings nicht so gewaltig, wie ursprünglich geplant. Schon damals musste man auf die Finanzen Rücksicht nehmen.
Die Zisterzienser-Abtei von Fontenay, 200 Kilometer nördlich von Cluny würde im Jahr 1139 gegründet, zu einer Zeit, als Cluny bereits wieder die Reform vergessen hatte. Die Zisterzienser dort hatten sich dasselbe Ziel gesetzt, wie einst die Mönche von Cluny. Das hat sich in der Architektur des Klosters niedergeschlagen. Die Kirche ist schmucklos.
Frankreich hat Millionen in die Renovierung der Abtei von Cluny investiert. Die Überreste der Abteikirche waren aber auch seit der französischen Revolution nicht mehr ordentlich renoviert worden. Doch nun ist ja Jubiläumsjahr.
Im Jahr 2010 werden weit mehr als die durchschnittlichen 100.000 Besucher pro Jahr erwartet. Es finden viele Jubiläumsveranstaltungen statt. So gibt es Austellungen mit Manuskripten und Skulpturen aus ganz Europa. Auch die ökumenische Gemeinschaft von Taize beteiligt sich an den Jubiläumsakten. Sie ist nur 10 Kilometer nördlich von Cluny zu Hause.
Wer fährt nach Cluny?
Liebe Grüße,
Stefanie


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