Hallo Jakobswegforum,

ich hab es geschafft!!! Ich bin wieder zu Hause. 800 Kilometer zu Fuß von Saint-Jean-Pied-de-Port in Frankreich bis zum spanischen Wallfahrtsort Santiago de Compostela.
Hier liest man ja so viele Fragen zum Weg, da dachte ich, ich schreib mal über ein paar meiner Erfahrungen.
Also ich hab es vorher erzählt, dass ich den Jakobsweg machen will. Meine Freunde haben mich für verrückt gehalten. Aber ich war motiviert, ich war fit. Und ich sage euch, wer den Camino Frances hinter sich bringen will, der sollte nicht loslaufen, ohne auch körperlich fit zu sein. Wichtiger aber ist die Motivation. Bei mir war es nicht die sprirituelle Herausforderung, ich hab geistiges Erlebnis gewollt. Ich wollte nicht zu mir selbst oder zu Gott finden. Mir ging es einzig und allein darum, die Strecke zu schaffen. Das musste ich mir auch immer wieder ins Gedächtnis rufen, schon bei der ersten Etappe über die Passhöhe von Roncevalles. Da muss man ca. 1300 Höhenmeter bewältigen. Meine Knie taten weh, als ich den Abstieg hinter mir hatte, total. Und das war am Anfang oft so, ich hatte oft das Gefühl, keinen Schritt mehr gehen zu können. Aber nach etwa einer Woche war das anders: da freute ich mich schon am Morgen auf den Weg, der am Tag vor mir lag. Ich bin ca. 30 Kilometer am Tag gepilgert. Da ich im Frühsommer unterwegs war, musste ich Temperaturen von bis zu 35 Grad aushalten. Mein Rucksack wog ungefähr 10 Kilogramm. Wegen der erwarteten Hitze am Tag bin ich schon sehr früh, mit dem Morgengrauen losgewandert. Ich wollte nicht mehr in der Mittagshitze unterwegs sein.
Der Weg war abwechslungsreich und fantastisch. Es ging durch weite Weizenfelder, über flache Weinberge und durch schöne Wälder. Am Wegesrand findet man mittelalterliche Dörfer.
Eines der schönesten Erlebnisse war, das ich mich sehr leicht mit Mitpilgern anfreunden konnte. Wir haben zusammen in den Pilgerherbergen gekocht.
Stichwort Pilgerherberge. Hier kann man als Pilger tatsächlich (fast) kostenlos übernachten. Man muss lediglich seinen Pilgerausweis vorzeigen. Leider waren die Herbergen (Sommer) total überfüllt. Die Schlafsääle waren voll und das Einschlafen war bei so viel Menschen nicht einfach.
Hat man die Wegesmarke 100 Kilometer vor Santiago de Compostela erreicht, so wird der Weg voll. Denn viele Pilger beginnen erst hier ihre Reise. Die letzte Etappe muss man unbedingt zu Fuß absolvieren, sonst bekommt man keine Compostela, keine Pilgerurkunde.
Aus welchen Ländern die meisten Pilger kamen? Aus Spanien natürlich, dann auch Deutschland. Aber ich habe auch viele Koreaner gesehen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es in Korea eine Fernsehshow über den Jakobsweg gibt.
Mein Fazit: es war mitunter sehr anstrengend. Aber ich weiß, dass ich wieder pilgern werde, irgendwann und ganz bestimmt.